Porträt von Kathrin Hoffmann, Leiterin des Fachbereichs Kindertagesbetreuung der Stiftung JOB.

JOB Story #8: Mitbestimmung ist kein Bastelprojekt

In unserer Reihe „JOB Storys“ dreht sich alles um die Mitarbeiter:innen der Stiftung JOB. Weiter geht’s mit Kathrin Hoffmann, Leiterin des Fachbereichs Kindertagesbetreuung. Sie ist davon überzeugt, dass Kinder mehr Verantwortung übernehmen können, wenn man sie nur lässt.

Kinder wachsen an Erfahrungen, die sie selbst machen dürfen. Doch solche Freiräume werden nach Beobachtung von Kathrin Hoffmann immer seltener. „Die Kita ist der letzte freie Ort, den wir Kindern noch gönnen“, sagt sie. Ein Satz, der hängen bleibt und viel darüber verrät, was ihr bei der Arbeit mit Kindern wichtig ist.

Seit acht Monaten leitet die 45-Jährige den Fachbereich „Kindertagesbetreuung“ der Stiftung JOB. In derzeit vier verschiedenen Einrichtungen begleitet sie gemeinsam mit ihren Teams Kinder und Familien durch die Kita- und Grundschulzeit. Wer mit ihr spricht, hört erstaunlich wenig über Verwaltung, Strukturen oder Kennzahlen. Stattdessen geht es um Kinderrechte und die Frage, wie Kinder ihren Alltag mitbestimmen können.

Kinderrechte müssen gelebt werden

Als Kathrin Hoffmann erstmals die Leitung eines Hortes übernahm, konnte sie pädagogische Konzepte selbst mitgestalten. Dabei stellte sie sich eine einfache Frage: Wie ernst meinen wir es eigentlich damit, Kinder einzubeziehen?

In den folgenden Jahren probierte sie vieles aus. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr ein Tag, an dem die Viertklässler:innen das Sagen hatten. Gemeinsam mit ihrem Team zog sie sich bewusst zurück. Die Kinder beantworteten Anrufe, bedienten den Computer und nahmen die Essenslieferung entgegen.

„Wir haben das natürlich gemeinsam vorbereitet“, erinnert sie sich. „Die Kinder waren wahnsinnig aufgeregt, aber an neuen Herausforderungen wachsen sie.“ Für die Pädagogin zeigen solche Erfahrungen, wie viel Kinder leisten können, wenn Erwachsene ihnen Verantwortung zutrauen.

Auch in den Einrichtungen der Stiftung JOB möchte sie die Beteiligung von Kindern weiter stärken. Welche Anschaffungen sind wichtig? Welcher Ausflug wird gemacht? Wie soll das Sommerfest aussehen? „Auch über Geld zu diskutieren, ist eine wichtige Erfahrung. Wenn die Kinder wissen, was ein Eiswagen oder eine Hüpfburg kostet, können sie selbst entscheiden, was ihnen wichtiger ist.“

Gestalten statt verwalten

Dass sie einmal mit Kindern arbeiten würde, wusste Kathrin Hoffmann schon als Jugendliche. In Bayern geboren und aufgewachsen, sammelte sie erste Erfahrungen beim Babysitten und durch Praktika. „Mit 14 war für mich klar, dass das genau das Richtige ist“, sagt sie.

Als ihr ein Berufsberater später erklärte, ihre Noten seien zu schlecht für diesen Weg, hielt sie trotzdem daran fest. Auf die Ausbildung zur Kinderpflegerin folgten die Ausbildung zur Erzieherin und später eine Weiterbildung zur Fachwirtin für Hort- und Kitamanagement. Aktuell studiert sie berufsbegleitend Kindheitspädagogik.

Die Erfahrung, unterschätzt zu werden, kennt Kathrin Hoffmann selbst. Vielleicht wirbt sie auch deshalb heute dafür, Kindern mehr zuzutrauen. Beruflich entwickelte sie sich konsequent weiter. Zuletzt arbeitete sie für einen großen Träger, wo sie neben ihrer eigenen Einrichtung auch andere Führungskräfte bei strategischen und konzeptionellen Fragen unterstützte.

Gerade dieser Teil ihrer Arbeit reizte sie zunehmend. Als sie auf die Stellenausschreibung der Stiftung JOB stieß, wurde sie neugierig. Die Möglichkeit, strategische Themen stärker in den Mittelpunkt zu stellen und gleichzeitig nah an den Einrichtungen zu bleiben, passte gut zu ihren Vorstellungen.

Heute schätzt sie vor allem die kurzen Wege und die offene Kommunikation. Ideen würden nicht erst durch mehrere Hierarchieebenen wandern, sondern könnten direkt eingebracht und weiterentwickelt werden.

Gute Arbeit sichtbar machen

Kathrin Hoffmann gehört nicht zu den Menschen, die lange stillsitzen, wenn sie Verbesserungspotenzial entdecken. Sie möchte Verwaltungsaufgaben stärker digitalisieren und die gute pädagogische Arbeit sichtbarer machen. „Die Kolleginnen und Kollegen machen einen super Job, reden aber nicht viel darüber. Dabei ist es so wichtig, auch ins Marketing zu investieren“, sagt sie.

Die Idee kommt nicht von ungefähr. Bei ihrem vorherigen Arbeitgeber gehörten Öffentlichkeitsarbeit und Marketing selbstverständlich dazu. Für die Fachbereichsleiterin steht deshalb fest: Pädagogische Qualität verdient Aufmerksamkeit. Die Stiftung JOB habe hier viel zu erzählen –  über engagierte Mitarbeitende, spannende Projekte und Einrichtungen, die Kinder und Familien auf sehr unterschiedliche Weise begleiten.

Vor allem aber möchte sie Räume schaffen, in denen Kinder Erfahrungen sammeln, Verantwortung übernehmen und ihre eigenen Entscheidungen treffen können. Wenn Kathrin Hoffmann über Kinder spricht, spricht sie nicht über Defizite, sondern vor allem über Möglichkeiten. Vielleicht lässt sich ihre Haltung deshalb mit einem Satz zusammenfassen, den sie nicht nur auf die Kinder bezieht, sondern auch auf die Mitarbeitenden und sich selbst: „Wenn man etwas nicht ausprobiert, wird man nie erfahren, ob es funktioniert.“