JOB Storys: Ronny Kraak der Medienprofi

In unserer neuen Reihe „JOB Storys“ dreht sich alles um die Mitarbeiter:innen der Stiftung JOB. Denn sie sind es, die die Stiftung einzigartig und empfehlens-
wert machen. Die Geschichten, die sie erzählen, handeln von ihrem Arbeits-
alltag, von kleinen und großen Erfolgen, von persönlichen Erfahrungen und Motiven. Los geht’s mit Ronny Kraak, der die Jugendfreizeit in Fichtenwalde leitet.

Liebeskummer, Stress in der Schule, nervige Eltern, vieles wird Ronny Kraak anvertraut. Zuhören gehört zu seinem Beruf, ebenso wie das richtige Maß an Toleranz. Seit fast zwei Jahrzehnten sorgt der Sozialarbeiter dafür, dass sich junge Menschen im Alter von 12 bis 25 Jahren im „JC FIWA“ zurückziehen und einfach mal ihr Ding machen können. Gemeinsam abhängen, kochen, Billard spielen, Fragen klären – das offene Angebot ist groß, ebenso wie der Gesprächsbedarf. Die meisten Themen sind die gleichen wie vor 20 Jahren.

Nur das Sich-Langweilen sieht heute anders aus: „Als ich hier angefangen habe, hatten die Jugendlichen keine Handys. Heute scrollen sie durch ihre Insta-Storys oder chatten mit ihren Freunden, im besten Fall mit einem, der gerade gegenüber sitzt“, sagt Ronny Kraak. Von Verboten hält er allerdings wenig. Man müsse offen und interessiert sein, findet er. Mit TikTok, Instagram und Co geht er wertfrei um und tauscht sich lieber mit den Jugendlichen darüber aus, wie und warum sie diese Kanäle nutzen. Fake-News seien natürlich ein Dauerthema, aber auch ganz einfache Dinge müsse man besprechen, wie etwa die Suchfunktion bei Google oder woran man eine Werbeanzeige erkennt.

Im zweiten Anlauf zum Erzieher

Der gebürtige Teltower ist mit der Stiftung JOB, die ihre Arbeit Anfang der 1990er Jahre als Verein begonnen hat, schon lange verbunden. Hier hat er sein erstes Schülerpraktikum gemacht. Nach der Schule folgte eine Ausbildung zum Maler und Lackierer, die er vor allem seiner Mama zuliebe durchgezogen, aber danach sofort gekündigt habe. Später absolvierte er seinen Zivildienst und entschied sich für eine Ausbildung zum Erzieher. Sein Anerkennungsjahr machte er 2002 im Jugendhaus „Schiffer“, dem ältesten und größten der 4 Jugendhäuser, die die Stiftung JOB betreibt. Als zeitgleich eine Stelle in der Jugendfreizeit in Fichtenwalde frei wurde, musste er nicht lange überlegen.

Von sich selbst sagt er, er sei ein Medienjunkie. In Sachen Verbindlichkeit gehöre er aber zur alten Schule: „Früher haben wir jedes Jahr im August eine Kanutour gemacht, mit schriftlicher Anmeldung im Frühjahr. Heute will sich niemand solange im Voraus festlegen. Könnte doch sein, dass am Abend vorher kurzfristig eine Party steigt.“ Im Gegensatz zu früher mache er sich diese Spontanität heute zu Nutze anstatt sich darüber zu ärgern. „Wir können 3 Tage vorher per WhatsApp zu einer Gartenaktion aufrufen und es kommen sicher mindestens 5 Leute“, erzählt er.

Geschichte um die Ecke

Ronny Kraak möchte, dass möglichst viele Besucher:innen des „JC FIWA“ Medien als Kulturtechnik kennenlernen. Dafür hat er schon viele Videoprojekte auf die Beine gestellt: „Im letzten Jahr haben wir eine Dokumentation über das leerstehende Bahnhofsgebäude in Beelitz-Heilstätten und dessen Geschichte gedreht. Für die Jugendlichen war es total spannend mit Älteren zu sprechen und festzustellen, dass die auch mal jung waren.“

Wer einmal bei einem Videoprojekt mitgemacht hat, will nach seinen Erfahrungen weiter dabei sein. „Die meisten haben einfach Bock auf Geschichte, die in direkter Nähe passiert ist“, sagt er. Um die Videos finanzieren zu können, werden Fördermittel beantragt. 12.500 Euro gab es für den Beelitz-Film, der sogar mit dem Brandenburger Medienpreis ausgezeichnet wurde. Die nächste Doku über ein altes Kino in Beelitz musste durch den Corona-bedingten Lockdown unterbrochen werden.

Jugendliche brauchen Kontakte

Auf die vergangenen Monate der Pandemie blickt er eher düster zurück. Die Jugendlichen seien frustriert gewesen. Vormittags Unterricht in einer vollen Klasse, nachmittags Besuchsverbot im Jugendtreff. Manche Widersprüche hätten er und sein Kollege einfach nicht mehr erklären können. „Man erwartet, dass sie zu Hause lernen, aber alles andere will man ihnen nicht zugestehen. Teenager sollten draußen rumrennen und Blödsinn machen dürfen. Denen fehlt ein ganzes Lebensjahr“, meint der Sozialarbeiter.

Sein persönlicher Tiefpunkt sei im vergangenen Herbst gewesen, erzählt er. Im Jugendtreff anwesend sein müssen, aber niemanden sehen dürfen, kaum auszuhalten. „Im Winter haben wir zwei-, dreimal versucht, per Videochat gemeinsam zu kochen. Aber das hat nicht gut funktioniert, weil es einfach zu gezwungen war“, erinnert er sich. Andererseits sind auch neue Projekte entstanden, wie zum Beispiel der Podcast „Mensch, erzähl doch mal!“, in dem junge Menschen über selbst gewählte Themen sprechen. Moderiert wird der Podcast von einem ehemaligen Besucher des „JC FIWA“, der heute in Leipzig Journalismus studiert.

Aktuell geht es wieder bergauf, die Jugendlichen dürfen kommen. Im Spätsommer soll eine große Tanzveranstaltung stattfinden, die sie jedes Jahr selbst organisieren. Und die gemeinsamen Arbeiten am neuen Beachvolleyballplatz bringen ebenfalls neuen Schwung. „Alle sind total ausgehungert und haben unfassbar viel Energie“, freut sich Ronny Kraak.